Das MCS-Lesebuch - Ein literarischer Spaziergang in die Welt der Umweltkranken

Geschrieben von La Loba.

Buchbesprechung

"Hoffnung soll sein.
Hoffnung. Nicht Zagen.
Auch angesichts der Schmerzen nicht,
die sich durch alles nagen.
Ich will - trotz meiner MCS -
mein Leben wirklich wagen.
Will Lachen, Lieben. Und manchmal
auch Deinen Kummer tragen."


So beschreibt Moon McNeill, Präsidentin des internationalen Netzwerkes „Künstler mit MCS“ und gelernte Buchhändlerin, im MCS-Lesebuch - Ein literarischer Spaziergang in die Welt der Umweltkranken, ihre Hoffnung.

Sie hat dieses literarische Lesebuch umweltkranker Autoren zum Thema Multiple Chemische Sensitivität – kurz MCS – gemeinsam mit Sabine Neureiter im März 2003 herausgebracht.

Die beiden gaben damit auf 160 Seiten 11 deutschen und amerikanische AutorInnen mit MCS die Möglichkeit sich über ihren Alltag und ihre Gedankenwelten zu äußern. In Gedichten, Songtexten, Cartoons und Geschichten, von denen mehrere bereits mit Preisen ausgezeichnet wurden, vermitteln die selbst betroffenen AutorInnen eindringlich und aus eigener Erfahrung, mit welchen Schwierigkeiten Menschen mit MCS tagtäglich konfrontiert sind.

„Umwelterkrankungen werden leider in unserer Gesellschaft als ein nicht existentes Problem abgetan,“ sagt die selbst nicht betroffene Mitherausgeberin Sabine Neureiter. „Uns war es wichtig, daran etwas zu ändern, denn die Betroffenen müssen Einschränkungen ertragen, die man sich als gesunder Mensch kaum vorstellen kann, und stehen oft unter erheblichem Leidensdruck. Dann auch noch soziale Ausgrenzung, Diskriminierung und Rechtlosigkeit zu erfahren, das ist einfach nicht hinnehmbar.“ Daß sie weiß, wovon sie spricht, macht die Reiseverkehrskauffrau aus Kiel auch unmißverständlich deutlich. Sie lebt mit einer umweltkranken Partnerin zusammen.

Das besondere Anliegen der AutorInnen und Herausgeberinnen ist, mit dem MCS-Lesebuch auch nicht Betroffene anzusprechen. „Jeder Mensch, der heute in einem Industriestaat lebt, kann direkt oder indirekt von dieser Erkrankung betroffen sein.“ betont Moon McNeill. „Deshalb gibt es auch keinen einzigen, den sie nichts angeht. Aber das Bewußtsein für diese Tatsache ist nur sehr schwer zu vermitteln, es wird trotz der inzwischen vorhandenen Informationsvielfalt zu oft verdrängt, es ist unbequem. Erschwerend kommt hinzu, daß es trotz durchaus grüner Politik keine ausreichend starke Lobby für den Umwelt- und Gesundheitsschutz gibt, hingegen eine sehr starke für Umweltverschmutzung und eine sogenannte "Lebensmittelveredelung" durch Geschmacksverstärker, Farbstoffe, Hormone, Antibiotika und anderes. Hinzu kommen Amalgamproblematik, Wohngifte in Möbeln und Teppichen und Gifte in alltäglichen Kosmetika. Es muß noch eine ganze Menge passieren, damit sich daran etwas ändert! Vor allem müssen viel mehr VerbraucherInnen erkennen, daß sie die Macht haben, über Verweigerung die Kaufentscheidung und damit die Nachfrage und Produktion zu beeinflussen. Damit erreichen wir eine bessere Gegenwart für uns alle – und eine sicherere Zukunft für unsere Kinder.“

Das MCS-Lesebuch - Ein literarischer Spaziergang in die Welt der Umweltkranken, 160 Seiten, ISBN 3-8330-0195-x, Ladenpreis 10,- Euro

Hrsg. Moon McNeill und Sabine Neureiter, Künstler mit MCS/Books on Demand 2003

Erstveröffentlichung dieser Rezension in La Loba's Wolfshöhle am 15.05.2003